Wo Sand, Wind und Salz den Wald formen
Zwischen Meer und Land liegt in Zentralvietnam ein schmaler, dynamischer Raum: Küstendünen, geprägt von Wind, Salz und ständiger Bewegung. Der Boden ist nährstoffarm, das Klima fordernd. Und doch wachsen hier Pflanzen, die genau an diese Bedingungen angepasst sind. Gemeinsam bilden sie einen Wald, der mehr ist als eine Ansammlung von Bäumen: Er prägt die Küstenlandschaft, bietet spezialisierten Arten einen einzigartigen Lebensraum und verbindet Meer und Festland zu einem funktionierenden Ökosystem – wie es früher typisch für diese Landschaft war. In der Gemeinde Hải Dương im Hai-Lang-Distrikt setzen wir genau hier an: Ein beinahe verloren gegangener Küstenwald soll zurückkehren.
© Ho Ngoc Anh Tuan (Im Rahmen des IKI-Projekts „Ökosystembasierte Anpassung an der Nordzentralküste Vietnams: Wiederherstellung und Co-Management von degradierten Dünen und Mangroven“)
Steckbrief
Ziel des Projekts
Wiederherstellung eines
biodiversen Küstenwaldes
Standort
Hải Dương Kommune im Hai-Lang-Distrikt
in der Provinz Quảng Trị, Vietnam
Größe
ca. 50 Hektar
Zeitraum der Projektmaßnahmen
Pflanzung von 13.000 Setzlingen im November 2025
(für 2026 sind weitere Pflanzungen geplant)
Projekttyp
Wiederbewaldung
Projektpartner
UNIQUE
Start der Zusammenarbeit
2024
Wir pflanzen einheimische Baum- und Straucharten, die ursprünglich in dieser Region vorkamen und an die lokalen Bedingungen angepasst sind. Dafür nutzen wir ein erforschtes und erprobtes Pflanzschema, das die Überlebenswahrscheinlichkeit der Setzlinge stark fördert. Im Jahr 2025 wurden bereits rund 13.000 Setzlinge gepflanzt. Weitere Pflanzungen für 2026 sind vorgesehen. Die Umsetzung wird immer spezifisch an den jeweiligen Standort angepasst und fachlich begleitet. So kann sich auf den zuvor degradierten Flächen schrittweise wieder eine strukturreiche Vegetation entwickeln – und sich das Leben hier bald wieder tummeln.
Kommt in Kürze: Spendenfortschritt
Früher Küstenwald – heute kahle Dünen
© Ho Ngoc Anh Tuan (Im Rahmen des IKI-Projekts „Ökosystembasierte Anpassung an der Nordzentralküste Vietnams: Wiederherstellung und Co-Management von degradierten Dünen und Mangroven“)
In Quảng Trị sind Küstenwälder heute selten. Statt geschlossener Bestände prägen offene Dünen, degradierte Strauchflächen oder Plantagen schnell wachsender, nicht-heimischer Arten wie Akazien oder Eukalyptus die Landschaft. Die Ursachen für diese Veränderungen reichen weit zurück: Krieg, Entlaubungsmittel und großflächige Rodungen haben die ursprünglichen Strukturen weitgehend zerstört.
Auch heute noch ist die Landschaft stark beansprucht: Sand wird in großen Mengen abgebaut, Monokulturen werden angelegt und große Teile der Dünen in landwirtschaftliche Flächen und Aquakulturen (bspw. für die Garnelenzucht) umgewandelt. Das macht es den ehemaligen Küstenwäldern beinahe unmöglich, sich eigenständig zu regenerieren.
Warum Küstenwälder so wertvoll sind
© Ho Ngoc Anh Tuan (Im Rahmen des IKI-Projekts „Ökosystembasierte Anpassung an der Nordzentralküste Vietnams: Wiederherstellung und Co-Management von degradierten Dünen und Mangroven“)
Gesunde Küstenwälder erfüllen gleich mehrere zentrale Funktionen im Übergangsbereich zwischen Land und Meer. Hier leben Tier- und Pflanzenarten, die auf die besonderen Bedingungen von Küstendünen angewiesen sind. Die Bäume und Sträucher halten mit ihren Wurzeln die Dünen zusammen, schützen so vor Küstenerosion und tragen dazu bei, dass sich fruchtbarer Boden entwickelt. Gleichzeitig schwächen intakte Küstenwälder die Auswirkungen von Winden und Stürmen auf das Festland ab, machen Küstenlandschaften widerstandsfähiger und geben den Menschen, die dort leben, Sicherheit. Die Wälder kühlen ihre Umgebung und schaffen so ein ausgeglicheneres Mikroklima – ein weiterer wichtiger Faktor für die Menschen vor Ort. Und nicht zu vergessen: Die Bäume binden langfristig Kohlenstoff ein.
Warum der Wald nicht von selbst zurückkehrt
© Ho Ngoc Anh Tuan
Auch dort, wo noch Vegetation wächst, erholen sich die Flächen nur langsam. Neben der intensiven Nutzung der Dünenlandschaft sterben insbesondere in trockenen und heißen Perioden viele weitere Pflanzen ab. Wenn wir nicht handeln, werden die Küstenwälder immer anfälliger und gehen langfristig verloren. Deshalb legen wir mit der Wiederbewaldung die Grundlage dafür, dass sich langfristig ein widerstandsfähiger Wald entwickeln kann.
Aus kleinen Setzlingen wird wieder Wald
© Ho Ngoc Anh Tuan
Die Pflanzung ist nur ein erster Schritt. Entscheidend ist, wie sich die Flächen danach entwickeln. Dafür dokumentieren wir die Pflanzungen systematisch und erfassen digital unter anderem Überlebensraten und Wachstum der gepflanzten Setzlinge. Zusätzlich wird die Entwicklung vor Ort fachlich begleitet, so dass Veränderungen frühzeitig erkannt und die Maßnahmen bei Bedarf angepasst werden können.
Gemeinsam mit den Menschen vor Ort
© Ho Ngoc Anh Tuan
Die Gemeinden im Projektgebiet setzen die Maßnahmen gemeinsam mit unseren Projektpartnern um. Wir stimmen die einzelnen Schritte eng mit ihnen ab und beziehen lokale Akteur:innen bereits bei der Auswahl der Flächen ein. Vor Ort bereiten sie die Flächen vor, pflanzen die Setzlinge und pflegen sie anschließend. Ihre Vergütung schafft eine zusätzliche, sichere Einkommensquelle neben Landwirtschaft, Fischerei und Aquakultur. Das Projektteam vermittelt im Rahmen von Schulungen außerdem praktisches Wissen zur Wiederbewaldung und stärkt eine langfristige und ganzheitliche Verantwortung für die Flächen.
Ein Ökosystem, das lange übersehen wurde
© Ho Ngoc Anh Tuan
Küstendünensysteme gehören in vielen Regionen zu den weniger erforschten Ökosystemen. Entsprechend wenig wissen wir über ihren Zustand, ihre natürlichen Dynamiken und ihre Entwicklung. Die Wiederherstellung solcher Flächen und der direkt spürbare Unterschied für die Menschen vor Ort macht ihre Bedeutung für Biodiversität und Küstenschutz sichtbarer. So kann sich die ökologische Vielfalt langfristig wieder stabilisieren.
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