Et kütt wie et kütt – und das ist gut so

Wer durch die lichten, aufgebrochenen Waldstücke in Sachsen streift, begegnet einer eigentümlichen Mischung aus Zerstörung und Hoffnung: abgestorbene Nadelbäume, verkohlte Stämme, junge Birken, neu aufkeimende Bäume. Was auf den ersten Blick chaotisch wirkt, folgt in Wirklichkeit einem klugen Plan – dem der Natur. Wir begleiten sie dabei: Mit Geduld, gezielten Impulsen und Maßnahmen und großem Respekt für das, was von selbst entsteht. Denn Wiederbewaldung heißt für uns nicht neu anzufangen, sondern die natürlichen Dynamiken des Waldes gezielt zu fördern. So entstehen Stück für Stück stabile Mischwälder, die der Klimakrise besser standhalten – und zahlreichen Arten neuen Lebensraum bieten. 

Steckbrief

Ziel des Projekts
Wiederherstellung eines vielfältigen
und naturnahen Waldökosystems

Standort
Sachsen

Größe
insg. ca. 10 Hektar

Zeitraum der Projektmaßnahmen
Herbst 2023 bis Frühjahr 2026

Projekttyp
Wiederbewaldung

Projektpartner
Stiftung Wald für Sachsen

Start der Zusammenarbeit
1996

Person begutachtet eingezäunte Baumsetzlinge im Wald.

Ziel des Projekts: Wiederherstellung eines vielfältigen und naturnahen Waldökosystems

Warum naturnahe Wiederbewaldung?

Was viele vergessen: Die tot wirkenden Flächen waren früher einmal Wald. Und sie können es wieder werden – mit der Kraft ihrer eigenen Samen, Böden und Wurzeln. Denn während andernorts aufgeräumt, begradigt und gepflanzt wird, lassen wir der Natur Raum. Wir erhalten das Totholz, weil es Schatten spendet, Wasser hält und Nährstoffe liefert und der heranwachsenden Waldgeneration beste Bedingungen bietet. Unser Wiederbewaldungsprojekt in Sachsen zeigt: Auch ein zerstörter Wald kann wieder zu einem vielfältigen Ökosystem werden. Dafür braucht es nicht unbedingt großflächige Pflanzaktionen – sondern den Mut, die natürlichen Prozesse wirken zu lassen. Wir pflanzen deshalb nur kleinflächig, um die natürliche Baumartenvielfalt zu fördern  – während der Großteil der Fläche den natürlich aufkeimenden jungen Bäumen vorbehalten ist. Das spart Ressourcen, stärkt die Biodiversität und schont das Ökosystem.

„Wir schauen genau hin: Welche Baumarten kommen von selbst? Und wo braucht es gezielte Unterstützung der Naturdynamiken, um alte Monokulturen in vielfältige Wälder zu verwandeln? Die Natur weiß, wie es am besten geht – wir unterstützen sie dabei, die Fehler der Vergangenheit zurückzudrehen. So entsteht ein anpassungsfähiger Wald, der die besten Chancen hat, auch in 100 Jahren noch zu bestehen.“ Jan Tenbrock (PRIMAKLIMA-Team)

Stiftung Wald für Sachsen: Starker Partner für gesunde Wälder

Die Wiederbewaldungsflächen in Sachsen entstehen in enger Zusammenarbeit mit der Stiftung Wald für Sachsen – ein langjähriger und bewährter Projektpartner. Seit vielen Jahren verbindet uns eine vertrauensvolle Kooperation, die auf gegenseitigem Respekt, forstlicher Expertise und gemeinsamer Weiterentwicklung basiert. Jede Maßnahme wird vor Ort gemeinsam geplant: standortgerecht, ökologisch fundiert und angepasst an die natürlichen Gegebenheiten.

Der Projekterfolg wird regelmäßig kontrolliert – durch die Stiftung ebenso wie durch unsere Besuche vor Ort. So stellen wir sicher, dass jeder Quadratmeter langfristig Wirkung entfaltet.
Dass darüber hinaus auch lokale Akteure eingebunden sind – wie etwa eine Schulklasse im Adlerwald – zeigt, wie eng die Wiederbewaldung hier mit der Region verknüpft ist. 

Kommt in Kürze: Spendenfortschritt

Ihr könnt das Projekt erst seit Kurzem unterstützen. Sobald Spenden eingegangen sind, erfahrt ihr das hier.

Jede Fläche hat ihre eigene Geschichte
– schauen wir uns zwei davon genauer an: 

Unsere Wälder in Sachsen sind im Wandel – laut aktuellem Waldzustandsbericht hat sich der Kronenzustand der Bäume seit den klimabedingten Verlusten ab 2018 bislang kaum erholt – ein deutliches Zeichen für die langfristigen Auswirkungen von sogenannten Störereignissen wie Dürre, häufig in Kombination mit Borkenkäfern oder Bränden. Der Waldzustandsbericht 2025 für Sachsen bestätigt: 75 % der Bäume weisen eine erkennbare Schädigung des Kronenzustands auf. Oftmals bleiben nur abgestorbene Bäume zurück. Doch selbst dort schlummert neues Leben. Jede Fläche bringt ihre eigene Geschichte mit, ihr eigenes Potenzial. Deshalb wird in den ersten Jahren genau beobachtet, welche individuellen Maßnahmen auf einer Fläche notwendig sind. Indem wir die natürlichen Prozesse unterstützen, helfen wir dabei, einen gesunden, resilienten Mischwald zu entwickeln. 

 

Der Domkapitel Adlerwald:
Wo Wald von allein zurückkehrt

  • Größe: 3,9 ha
  • Pflanzzeitraum: Frühjahr 2024
  • Anzahl gepflanzter Setzlinge: 1.500
  • Verwendetes Saatmaterial: 2 kg Weißtanne


Im sogenannten Adlerwald in der Oberlausitz wurden die aufgrund von Trockenheit abgestorbenen Fichten und Kiefern bewusst stehen gelassen. Dazwischen wachsen aus Samen, die bereits im Boden enthalten sind, kleine Buchen, Eichen, Lärchen, Ebereschen und Birken in ihrem eigenen Tempo heran. Ergänzt wurde diese Naturverjüngung durch Streusaat der Weißtanne und kleinflächige Pflanzungen von Spitz- und Feldahorn sowie Vogelkirsche . Statt schwerem Gerät gibt es Einzelschutz für die gepflanzten Bäume. Der Erfolg zeigt sich bereits heute: Auf dem stillen Waldboden wächst eine neue Generation heran – resilient, vielfältig und ganz natürlich.

 

Das verkohlte Holz von Nieska:
Aus Asche wird Zukunft

  • Größe: 1,6 ha
  • Pflanzzeitraum: Frühjahr 2026
  • Anzahl gepflanzter Setzlinge: 3.240
  • Verwendetes Saatmaterial: 35 kg Stieleiche und 2 kg Weißtanne


In Nieska, angrenzend an das Naturschutzgebiet Gohrischheide/Elbniederterrasse Zeithain, erzählt der Wald eine andere Geschichte. Eine frühere Kiefernmonokultur wurde durch zwei aufeinanderfolgende Brände nahezu vollständig zerstört. Beim ersten Brand blieb ein Drittel der Fläche verschont, der zweite Brand erfasste schließlich auch diesen Teil. Da die Projektfläche in einem ehemaligen Militärgebiet liegt, wurden die Löscharbeiten erschwert – denn bis heute sind dort Munitionsreste im Boden. Von den abgestorbenen Kiefern ist nach dem zweiten Feuer kaum mehr als Asche übrig. So schade es um das Totholz ist – die Asche reichert den Boden mit Nährstoffen an und schafft neue Startbedingungen für die nachwachsenden Bäume. In kleinen Gruppen pflanzen wir zudem standortgerechte Laubbäume wie Stieleiche, Vogelkirsche, Spitz- und Feldahorn – und wie auch im Adlerwald wird in Nieska ebenfalls auf Naturverjüngung gesetzt. Übrigens sind Mischwälder so etwas wie natürlicher Brandschutz, denn Laubbäume brennen seltener als Nadelforste.

Weniger planen, mehr wachsen lassen

Der große Unterschied zu klassischen (Erst-)Aufforstungen? Bei unserem Wiederbewaldungsprojekt schreiben wir der Natur keinen festen Plan vor. Stattdessen arbeiten wir mit dem, was da ist – abgestorbene Stämme, verstreute Samen, zarte Triebe. Jede Fläche bringt ihre eigene Geschichte mit, ihr eigenes Potenzial. Und jedes Stück Totholz wird zu unserem Verbündeten: Es fördert Mikroorganismen, bietet Unterschlupf für Tiere, spendet Schatten und hält Feuchtigkeit im Boden. Diese Mikrohabitate tragen wesentlich zur Regeneration des Ökosystems Wald bei. Sie dienen unter anderem Pilzen und Insekten als Rückzugsort und sind eine entscheidende Grundlage für funktionierende Stoffkreisläufe. 

Gemeinsam für Sachsens Wälder – mach auch du mit

Unsere Wälder in Sachsen sind im Wandel – nach sogenannten Störereignissen wie Dürre in Kombination mit Borkenkäfern oder Bränden bleiben oft nur abgestorbene Bäume zurück. Doch selbst dort schlummert neues Leben. Indem wir die natürlichen Prozesse unterstützen, helfen wir dabei, einen gesunden, resilienten Mischwald zu entwickeln. Mit jedem kleinen Schritt, jeder gepflanzten Gruppe, jedem erhaltenen Totholzstück schaffen wir Lebensräume für Insekten, Vögel, Pilze und viele andere Arten. So stärken wir nicht nur die Resilienz des Waldes – sondern auch die biologische Vielfalt, von der wir alle abhängen. Sei auch du mit dabei und setze dich gemeinsam mit uns für vielfältige und naturnahe Wälder ein. 

Wiederbewaldung in Sachsen Impressionen aus dem Projekt:

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