Was ist Wald?

Feuchte Regenwälder, sommergrüne Laubwälder oder dichte Nadelwälder: Wälder kommen in ganz unterschiedlichen Formen vor. Doch viele Bäume allein machen noch keinen Wald.

Ein Wald ist ein komplexes Ökosystem. Bäume prägen ihn, doch zu ihm gehören ebenso andere Pflanzen, Tiere, Pilze und Mikroorganismen sowie der Waldboden und Wasser. Zwischen all diesen Bestandteilen bestehen vielfältige Beziehungen. Vom Kronendach bis zu den Wurzeln entsteht so ein Lebensraum mit einem eigenen Waldklima: Im Vergleich zu offenen Landschaften sind die Temperaturen häufig ausgeglichener, die Lichtintensität geringer und die Luftfeuchtigkeit höher. In Deutschland ist rund ein Drittel der Fläche von Wald bedeckt. 

Ein Wald ist also weit mehr als die Summe seiner Bäume. Und genau das ist entscheidend, wenn wir darüber sprechen, warum Wälder für Biodiversität und Klimaschutz so wichtig sind – und was sie brauchen, um langfristig bestehen zu können. 

Welche Bedeutung hat der Wald für Klima, Natur und Menschen?

Wälder verbinden viele Leistungen der Natur auf engem Raum. Sie nehmen CO₂ aus der Atmosphäre auf und speichern den darin enthaltenen Kohlenstoff in Bäumen, Wurzeln und Böden. Sie halten Wasser im Boden und geben es langsam wieder ab, beeinflussen lokale Temperaturen und schützen Böden vor Erosion. Vor allem aber sind Wälder Lebensräume voller Vielfalt.

Für uns Menschen ist der Wald ebenfalls weit mehr als Natur am Wegesrand. Er liefert den nachwachsenden Rohstoff Holz, trägt zur Bereitstellung sauberen Wassers bei, filtert die Luft und bietet Raum für Bewegung, Erholung und Ruhe. Wälder können außerdem zum Hochwasser- und Erosionsschutz beitragen und ihre Umgebung an heißen Tagen kühlen. Weltweit sind Millionen von Menschen für ihre Lebensgrundlagen und ihr Einkommen unmittelbar auf Wälder und ihre Ressourcen angewiesen.

All diese Funktionen hängen miteinander zusammen. Ein vielfältiges Waldökosystem kann beispielsweise besser auf bestimmte Störungen reagieren als ein strukturarmer Wald. Gleichzeitig verändert die Klimakrise die Bedingungen, unter denen Wälder wachsen und bestehen können. Was im Wald passiert, betrifft deshalb oft beides: das Klima und die biologische Vielfalt. PRIMAKLIMA spricht von einer Zwillingskrise aus Klima- und Biodiversitätskrise.

 

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Wie verändert der Klimawandel den Wald?

Die Folgen des Klimawandels sind im Wald längst sichtbar, Fachleute sprechen von einem neuen Waldsterben. Dem deutschen Wald geht es seit Jahren schlecht: Laut Waldzustandsergebung 2025 des Bundeslandwirtschaftsministeriums ist nur etwa jeder fünfte Baum vollständig gesund, rund 35 Prozent zeigen eine deutliche Kronenverlichtung.

Zu den größten Belastungen gehören: 

  • Dürre und Hitze: Die Trockenjahre 2018 bis 2020 haben Schäden hinterlassen, von denen sich viele Wälder bis heute nicht vollständig erholt haben.
  • Schädlinge: Durch Hitze und Trockenheit geschwächte Bäume können anfälliger für Schädlinge wie den Borkenkäfer sein.
  • Waldbrände: Längere Trockenperioden und hohe Temperaturen können in vielen Regionen die Bedingungen für die Entstehung und Ausbreitung von Bränden verschärfen. Brände wiederum können Waldökosysteme langfristig schädigen und gespeicherten Kohlenstoff freisetzen.

Kommen mehrere Belastungen zusammen, können selbst intakte Waldlandschaften aus dem Gleichgewicht geraten. Wie stark ein Wald betroffen ist, hängt jedoch unter anderem von Standort, Waldstruktur, Baumarten, Boden, Wasserverfügbarkeit und seiner bisherigen Nutzung ab.

Wie Klimawandel und Waldbrände zusammenhängen und welche Rolle widerstandsfähige Wälder spielen, erfährst du auf unserer Wissensseite zu Waldbränden durch Klimawandel. 

Welche Zukunft hat der Wald?

Der Wald der Zukunft wird nicht überall so aussehen wie wir ihn heute vielleicht kennen. Steigende Temperaturen, längere Trockenperioden und veränderte Niederschläge stellen viele Wälder vor neue Bedingungen. Darauf gibt es jedoch keine einfache Antwort – und erst recht nicht die eine „Klimabaumart“. 

Welche Lösung sinnvoll ist, hängt vom jeweiligen Standort und vom lokalen Wald als ganzem Ökosystem ab. Vielfältige, standortgerechte Wälder aus heimischen Baumarten können Risiken besser verteilen: Unterschiedliche Arten reagieren unterschiedlich auf Hitze, Trockenheit, Schädlinge und andere Belastungen. Auch verschiedene Altersstrukturen, Naturverjüngung, alte Bäume und Totholz, gesunde Böden sowie ein funktionierender Wasserhaushalt tragen zu einem lebendigen Waldökosystem bei.

Das Ziel ist deshalb nicht, einen vermeintlich perfekten „Wald der Zukunft“ zu pflanzen. Vielmehr geht es darum, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sich vielfältige und naturnahe Wälder entwickeln und möglichst gut auf sich verändernde Bedingungen reagieren können. 

Wald erhalten, entwickeln und neu entstehen lassen: Was wirklich hilft

Was ein Wald braucht, hängt davon ab, was an einem konkreten Standort bereits vorhanden ist. Ein alter, naturnaher Wald braucht etwas anderes als ein Wald, der stark geschädigt ist oder eine Fläche, auf der bislang kein Wald wächst. Nicht jeder Wald braucht dieselbe Lösung. 

Deshalb gibt es für PRIMAKLIMA unterschiedliche Wege, Wälder zu erhalten, wiederherzustellen, weiterzuentwickeln oder neu entstehen zu lassen:

  • Erstaufforstung: Auf geeigneten Flächen, auf denen zuvor kein Wald vorhanden war, lassen wir neue Wälder entstehen. Dabei geht es nicht nur darum, möglichst viele Bäume zu pflanzen, sondern die Grundlage für ein langfristig funktionierendes Waldökosystem zu schaffen.
  • Wiederbewaldung: Wo Wald verloren gegangen oder stark geschädigt worden ist, geben wir Wäldern wieder Raum zum Wachsen. Standortgerechte, heimische Baumarten und die natürlichen Bedingungen vor Ort spielen dabei eine zentrale Rolle.
  • Naturnahe Waldentwicklung: Bestehende Wälder unterstützen wir dabei, sich zu vielfältigeren und strukturreicheren Waldökosystemen zu entwickeln. Wir setzen dabei unter anderem auf Naturverjüngung, unterschiedliche Altersstrukturen und heimische Baumarten.
  • Waldschutz: Wo wertvolle Wälder bereits bestehen, geht es darum, sie langfristig zu erhalten und vor Zerstörung oder schädlichen Eingriffen zu bewahren. Besonders alte und naturnahe Wälder sind wichtige Lebensräume und Kohlenstoffspeicher.

Was unsere Ansätze verbindet: Waldprojekte brauchen Zeit. Böden, Wasserhaushalt, natürliche Verjüngung und biologische Vielfalt lassen sich nicht auf eine Pflanzzahl reduzieren. Ebenso wichtig ist es, die Menschen vor Ort und lokale Partnerorganisationen einzubeziehen. So können Wälder entstehen und erhalten bleiben, die langfristig Lebensraum bieten und ihre vielfältigen Funktionen erfüllen.

Unsere Projekte für starke Wälder

PRIMAKLIMA engagiert sich seit 1991 mit Waldprojekten für Klimaschutz und Biodiversität. Dabei gibt es nicht das eine Waldprojekt für jeden Ort. Je nach Ausgangssituation setzen wir auf Erstaufforstung, Wiederbewaldung, naturnahe Waldentwicklung oder Waldschutz.

So entstehen auf geeigneten Flächen neue Wälder, geschädigte Waldflächen werden wiederbewaldet, bestehende Wälder können sich naturnah weiterentwickeln und wertvolle Wälder werden langfristig geschützt. Unsere Projekte reichen vom Kibale-Nationalpark in Uganda über Nicaragua, Papua-Neuguinea und Vietnam bis nach Deutschland. Hierzulande verteilen sich die Waldprojekte aktuell auf Baden-Württemberg, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Sachsen

Dabei betrachten wir nicht allein die Zahl gepflanzter Bäume. Entscheidend ist, was langfristig entsteht und erhalten bleibt: Wälder, die Kohlenstoff speichern, Lebensräume bieten und natürliche Kreisläufe stärken.

Wir arbeiten dafür mit lokalen Partnerorganisationen und zertifizierten Standards. Unsere Ausgaben lassen wir jährlich vom DZI prüfen; Stiftung Warentest bewertete unsere Arbeit mit „gut“.

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Fazit – Wälder sind Zukunft

Wälder sind keine Kulisse. Sie sind Lebensräume, Kohlenstoffspeicher, Wasserspeicher, Erholungsräume und Lebensgrundlage zugleich. Sie zeigen besonders deutlich, wie eng Klima, Biodiversität und menschliches Leben miteinander verbunden sind.

Damit Wälder diese Funktionen auch in Zukunft erfüllen können, braucht es unterschiedliche Wege. Bestehende Wälder müssen geschützt, geschädigte Flächen wiederbewaldet, andere Wälder naturnah weiterentwickelt und auf geeigneten Flächen neue Wälder begründet werden.

Dabei gilt: Wald ist mehr als die Summe seiner Bäume. Entscheidend ist nicht allein, wie viele Bäume wachsen, sondern ob daraus langfristig vielfältige und lebendige Waldökosysteme entstehen und erhalten bleiben kümmern wir bei PRIMAKLIMA uns seit 1991.

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Portraitaufnahme von Jan Tenbrock und Leon Barthel

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