Projektgebiete:

Gesamtes Bundesgebiet, aktuell v. a. Flächen in Sachsen und Niedersachsen

Projektart:

Aufforstungen mit überwiegend heimischen Mischbeständen

 

 

Der deutsche Wald – unersetzlich und geheimnisvoll

Buchen, Eichen, Kiefern – die deutschen Wälder sind vielfältige Naturräume. Insgesamt rund 11,4 Mio. Hektar groß, bedecken sie ca. ein Drittel der Fläche des Landes. Bäume sind Symbole für Leben, Kraft und Zukunft. Und sie sind wahre Multitalente.
Klimaschutz, Boden- und Hochwasserschutz, Temperaturausgleich, Wasser- und Feinstaubfilterung – nur ein paar der genialen Funktionen, die gesunde Wälder ganz natürlich mit sich bringen. Vieles davon spüren wir Menschen unmittelbar. Aber auch die unzähligen Arten, die im und um den Wald herum leben...

 

Wer sich hier alles tummelt und schlängelt, ist bloßem Auge gar nicht zu erkennen.

Der Wald hat seinen eigenen Rhythmus, seine ganz eigenen Geräusche und seinen eigenen harzig-erdigen Geruch. Während im Alltag unzählige Reize auf uns Menschen einprasseln, schalten wir im Wald unser Tempo automatisch herunter. Längst ist bewiesen, dass sich der Wald positiv auf unser Immunsystem und unsere Stimmung auswirkt. Abseits von Leistung und Effizienz verändert sich unsere Beobachtung hier auf ganz natürliche Weise, können wir die jahreszeitlichen Veränderungen ganz bewusst wahrnehmen. Ob strahlende Grüntöne in unterschiedlichsten Nuancen und intensiv leuchtende, bunte Blüten, die im Frühling um die Aufmerksamkeit der Insekten buhlen. Oder charakteristische Wegbegleiter wie Bucheckern, Maronen und Eicheln, die im Herbst zwischen den sanft herabgefallenen Laubblättern unter den Schuhen knirschen und knistern. Egal wann, jeder Wald ist ein Universum für sich. Milliarden von Organismen leben in einer Handvoll Waldboden – mehr als es Menschen auf der Erde gibt. Und sie alle haben ihre ganz spezifischen Aufgaben in diesem besonderen Gefüge.

 

Der Wald im Wandel der Zeit

Es gab eine Zeit, da war ganz Deutschland mit Wald bedeckt – rund 10.000 Jahre ist das her. Seitdem ist der Waldbestand fast stetig geschrumpft. Das Heizen mit Holz und die zunehmende Landwirtschaft ließen immer mehr Bäume verschwinden. Nicht nur in Deutschland, sondern in fast ganz Europa.
Ein Blick in die deutschen Wälder zeigt uns heute: Es geht ihnen so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht mehr (Waldzustandsbericht 2020). Lange wurde an alten Bewirtschaftungsmethoden festgehalten. Mehrere Dürrejahre in Folge, Stürme und die fast explosionsartige Verbreitung des Borkenkäfers haben den Wäldern  stark zugesetzt – extreme Ereignisse, die inzwischen aber immer häufiger auftreten.
Klar ist, dass es umfassende Aufforstungen braucht, um CO2 aus der Luft zu filtern und so der Klimakrise zu begegnen. Und klar ist auch, dass die Waldfläche in Deutschland dringend vergrößert werden muss, denn jeder Quadratmeter Wald ist ein unschätzbarer Gewinn – für Mensch und Natur. Wichtig ist dabei aber immer, den Wald als Ganzes zu betrachten. Vor allem in Hinblick auf seine Zukunftsfähigkeit.
Denn: Aufforstung ist nicht gleich Aufforstung.

 

Gesunde Wälder sind kein Zufall. Die Baumarten entsprechend der Fläche auszuwählen, die Setzlinge aufzuziehen, die Fläche für die Pflanzung vorzubereiten, die Baumsetzlinge schonend in die Erde zu bringen und sie anschließend mehrere Jahre zu pflegen, bis sie robust und groß genug sind – all das sind essenzielle Schritte hin zu einem stabilen, lebendigen Wald. Ein Wald, der mit seinem aus unterschiedlichen Sträuchern angelegten, ökologischen Waldsaum einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt leistet. Und vor allem ein Wald, der sicher und langfristig Kohlenstoff aus der Atmosphäre einbindet.
Besonders die Zusammensetzung der Baumarten ist in Anbetracht der klimatischen Veränderungen enorm wichtig. Denn nur durchmischte, artenreiche und naturnahe Wälder haben im zukünftigen Klima eine echte Chance – die unzähligen abgestorbenen Fichten-Monokulturen hatten diese Chance nicht.

 

Seit 30 Jahren lassen wir in Deutschland Wälder wachsen…

…denn seit Gründung von PRIMAKLIMA sind Projekte in Deutschland wichtige Elemente der Vereinsarbeit. Fast zwei Drittel unserer bis 2020 gepflanzten Setzlinge wurden in Deutschland gepflanzt. Und es sollen noch viel mehr werden.

Momentan können wir vor allem in Sachsen und Niedersachsen Pflanzungen umsetzen. So unterschiedlich die Regionen in Deutschland sind, so unterschiedlich sind auch unsere Aufforstungsprojekte. Eines ist aber allen gemein: die Planung, Begleitung und regelmäßige Kontrolle durch erfahrene Forstexpert:innen. Damit aus möglichst vielen Setzlingen kräftige Zukunftswälder heranwachsen können.

 

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Projektbeispiel: Neue Mischwälder in Sachsen

Bärenfels, Sehma, Oberlungwitz  – nur ein paar der Orte, in denen dank zahlreicher Spenden an PRIMAKLIMA schon neue Wälder in Sachsen entstehen konnten. Hier wachsen Winterlinden, Stieleichen und Ulmen zusammen mit Rotbuchen, Haselnusssträuchern und Weißdorn. Besonders in Regionen, die von Nadelholz geprägt sind, schaffen die neuen Wälder, was die Landschaften dringend brauchen: vielfältige, naturnahe Mischwälder mit hohem Laubbaumanteil. Denn sie sind nicht nur klimastabiler – sie produzieren selbst Samen und bringen daher Baumarten in Regionen zurück, die dort ursprünglich heimisch waren, aber nur noch vereinzelt dort vorkamen. „Naturverjüngung“ ist hier das Zauberwort. Sie legt nicht nur den Grundstein für den Wald von morgen – sondern auch für den von übermorgen.
Sachsen hat sich als Bundesland das Ziel gesetzt, den Waldanteil zu erhöhen und damit mindestens den Bundesdurchschnitt von 32% zu erreichen. Dafür fehlen noch 3 % – was sich wenig anhört, aber nicht leicht umzusetzen ist. Denn Flächen sind rar und Genehmigungsverfahren teilweise lang. Was dann aber einmal Wald ist, bleibt es auch. Denn Wälder sind in Deutschland per Gesetz sehr gut geschützt. Eine naturnahe Waldbewirtschaftung – bei der die Natur mitgedacht und niemals mehr Bäume entnommen werden, als auf natürliche Art nachwachsen – ermöglicht die Herstellung regionaler Materialien. Statt Holz aus weit entfernten Ländern und vielleicht sogar aus Monokulturen zu importieren.

 

Projektbeispiel: Schulwälder gegen die Klimakrise

„Pflanzt nicht Worte, sondern Bäume“ ist der Grundsatz, nach dem in Niedersachsen stetig neue Wälder entstehen. Zahlreiche Schulen beteiligen sich an den Projekten, in denen die Schüler:innen selbst die jungen Bäume in die Erde setzen. Die außerschulischen, grünen Klassenräume bilden einen praktischen Lernort, der die Themen Wald-, Umwelt- und Klimaschutz unmittelbar vermittelt. Der direkte persönliche Bezug der Kinder und Jugendlichen zu ihrem eigenen Wald motiviert und begeistert, sich aktiv und verantwortungsvoll zu engagieren – während jeder einzelne Baum das CO2 in der Atmosphäre reduziert.
In Rhauderfehn, Neustadt am Rübenberge oder auch in Stolzenau konnten so schon tausende Setzlinge gepflanzt werden. Die jungen Hainbuchen und Sandbirken, oder auch Schwarzerlen und Traubeneichen wachsen mit unterschiedlichen Straucharten zusammen heran. Und lassen die Schüler:innen jeden Tag miterleben, wie sich ihr Wald entwickelt und zu einem wertvollen Lebensraum für unterschiedlichste Tierarten wird. Ein Lebensraum, der nicht nur im Kleinen wirkt – sondern auch die Atmosphäre entlastet.