Küstenwald, Hitze und neue Begegnungen: Auf Projektreise in Vietnam

| Autorin: Diana Schreiner Diana Schreiner

Zum ersten Mal hat Alina (Team internationale Projekte) eines der PRIMAKLIMA-Projekte selbst vor Ort besucht – und dabei erlebt, wie herausfordernd die Wiederbewaldung an Vietnams Küste ist. Im Interview berichtet sie von den Bedingungen auf den kargen Küstenflächen, Begegnungen mit engagierten Gemeinden und dem engen Austausch mit unserem Projektpartner vor Ort.

Alina, für dich war es nicht nur der erste Projektbesuch in Vietnam, sondern deine allererste Projektreise für PRIMAKLIMA. Wie ist es dir ergangen – in der Vorbereitung, vor Ort und jetzt zurück in Deutschland? 

Es war eine tolle Erfahrung! Eine Projektreise braucht viel Abstimmung und Vorbereitung, auch mit dem Partner vor Ort, und das hat alles sehr gut geklappt. Für uns sind die Projektebesuche eine Qualitätssicherung und wichtig, um einen ganz genauen Einblick vor Ort in unsere Projekte zu bekommen, somit ist es den Aufwand auf jeden Fall wert. Außerdem ist es super schön, mit dem Team unseres Projektpartners vor Ort zu connecten und die Zusammenarbeit zu vertiefen. Ich bin sehr dankbar für die Möglichkeit zu den Projekten zu reisen und alles live erleben zu dürfen.  

 

Mit welchem Ziel seid ihr nach Vietnam gereist? 

Wir haben in 2025 unsere erste Pilotfläche in Vietnams Küstenwaldregionen gepflanzt und die Zusammenarbeit mit unserem Projektpartner, Unique, gestartet. Uns war es wichtig, das Projekt vor Ort selber zu erleben. Es ist auch Teil unserer Projektkriterien, dass wir Projekte vor Ort selber besuchen können. Damit stellen wir sicher, dass wir wirklich hautnah am Projekt sind. 

Außerdem ging es bei dem Besuch auch um die Zukunft unseres Projektes in Vietnam und wir haben mit Unique vor Ort geschaut, was wir gemeinsam für Optionen für eine Fortsetzung haben. Dazu haben wir uns direkt während der Projektreise geeinigt, auch in 2026 eine Fläche aufzuforsten und so das Projekt zu erweitern. Noch in diesem Jahr werden auf einer weiteren Fläche 15.000 Setzlinge gepflanzt und wir freuen uns sehr, diesen besonderen Aufforstungsansatz weiter zu unterstützen. Denn dieser schafft es, dass auf sehr kargen Flächen erfolgreich Setzlinge überleben und somit eine Aufforstung mit einheimischen Arten auf Küstendünen in Vietnam überhaupt möglich wird. Das galt vorher nämlich als nicht nachhaltig möglich und v.a. als finanziell nicht tragbar. 

Mittendrin im Projekt

Auf Projektbesuch bei unserem Wiederbewaldungsvorhaben vor Ort: Henriette (links) und Alina (rechts) auf einer Projektfläche an der Nordzentralküste Vietnams. Gemeinsam mit unserem Partner Unique arbeiten wir daran, aus degradierten Dünenflächen Schritt für Schritt wieder einen zusammenhängenden Küstenwald zu entwickeln. 

Eine anspruchsvolle Aufgabe - denn der Boden ist nährstoffarm und das Klima fordernd. Umso wichtiger ist der Blick auf die bisherige Entwicklung: Auf rund 50 Hektar wurden im November 2025 bereits 13.000 Setzlinge gepflanzt. Aktuell liegt die Überlebensrate bei rund 85 % - ein vielversprechendes Signal. Weitere Pflanzungen folgen in diesem Jahr. 

Henriette und Alina von PRIMAKLIMA sitzen vor jungen Setzlingen im Projekt in Vietnam

Das Projekt ist unser erstes Küstenwald-Projekt. Was zeichnet es aus – und welche Herausforderungen sind euch vor Ort begegnet? 

Ich habe es in der vorherigen Frage schon kurz angerissen, der Projektansatz ist wirklich ein ganz besonderer. Vietnams Küstenwälder sind stark degradiert und in der Regel von Monokulturen fremder Arten, wie der Akazie, geprägt. Wiederbewaldung mit einheimischen Arten galt immer als finanziell nicht tragbar und als nicht erfolgsversprechend. In Vergangenheit hat Unique daher mit einer lokalen Baumschule und der Universität in Hue zusammengearbeitet, um die Setzlingsqualität und die Überlebenswahrscheinlichkeiten dieser zu verbessern. Und das Tolle ist: Das ist gelungen. Mittlerweile werden Überlebenswahrscheinlichkeiten von über 80 % erreicht, vergleichbar mit Aufforstungen in Deutschland und das, obwohl es sehr heiß und trocken wird an Vietnams Küsten und die Gebiete auch von Stürmen und Überschwemmungen betroffen sind, deren Stärke und Häufigkeit mit der Klimakrise zunehmen. Ich finde es wichtig, diesen Pflanzansatz nun zu verbreiten und dass das Wissen auch andere Gemeinden erreicht, damit weitere Flächen wiederbewaldet werden können. Der Wald erholt sich langsam und auch die Setzlinge brauchen viele Jahre unter den harschen Bedingungen, bis sie sich zu einer stabilen Waldfläche entwickeln können. Mein Wunsch ist es, das in großem Stil vor Ort zu schaffen.  
 

In Vietnam bewegt sich aktuell einiges, es gibt viele Infrastrukturprojekte, die den Druck auf verbleibende Waldflächen erhöhen. Die Biodiversität in Vietnam ist unter Bedrängnis, obwohl Vietnam als Biodiversitäts-Hotspot gilt. Gerade jetzt ist es also wichtig, die Küstenwälder wieder zu etablieren – auch mit Hinblick auf die Auswirkungen der Klimakrise: als Schutz für die Menschen. Wir arbeiten eng mit den Gemeinden vor Ort zusammen und es war spannend, ihre Blickwinkel bei einem Treffen während der Projektreise zu hören. Sie wünschen sich mehr Schatten, bessere Luft und Schutz ihrer Dörfer und Felder vor Stürmen und Versandung und haben gemerkt, dass unser Pflanzansatz ein ganz neuer ist, den sie so noch nicht kannten.

 

Gab es Begegnungen mit Menschen vor Ort – zum Beispiel mit Projektpartner:innen oder Gemeindevertreter:innen – die dir besonders im Gedächtnis geblieben sind? 

Ja, vor allem das eben berichteten Gemeindetreffen ist mir im Kopf geblieben. Und auch ein Treffen mit dem Direktor der lokalen Gemeinden und deren Vertreter. Sie spüren den Druck der Veränderung und haben selber ein großes Infrastrukturprojekt in ihrer Gemeinde, das bevorsteht. Sie haben sich trotzdem die Zeit für uns genommen und schätzen das Aufforstungsprojekt und unser Engagement sehr. 

Wie hast du die Küstenlandschaft und die Wälder vor Ort erlebt? Gab es etwas, das dich besonders überrascht oder fasziniert hat? 

Als wir einen der wenigen älteren, natürlichen Küstenwälder besucht haben, war es wirklich schön, das Potenzial zu sehen. Dort sind auch gleich viele Schmetterlinge herumgeflattert und es gab verschiedenen Pflanzenarten zu entdecken. In den Monokulturen der fremden Baumarten habe ich das nicht erlebt. 

Auf den kargen Küstenflächen fand ich es krass zu erleben, wie heiß es dort war – und wir waren noch am Anfang der Trockenphase da. Im Sommer wird es da schnell über 45 Grad heiß. Da dachte ich mir nur: Wahnsinn, dass die Setzlinge hier überhaupt bestehen können. Man spürt dort persönlich, wie fordernd diese Umgebung ist. Aber mit dem erforschten Pflanzmuster und den qualitativ hochwertigen Setzlingen, ist es zum Glück möglich, dass sie bestehen.  

 

Was nimmst du persönlich und fachlich aus dieser Reise für deine weitere Arbeit bei PRIMAKLIMA mit? 

Für mich hat die Projektreise nochmal bestätigt, wie wichtig unsere Besuche vor Ort sind und wie wichtig eine gute und enge Beziehung zu unserem Projektpartnern ist. Ich finde es toll, dass PRIMAKLIMA als Organisation darauf so viel Wert legt. Außerdem persönlich: Ich fand es herzerwärmend, wie gastfreundlich die Menschen in Vietnam sind – und wie lecker das Essen!